Funktionale Kunst

Bei dem, was ich hier als "Funktionale Kunst" bezeichne, handelt es sich um ein Gestaltungsprinzip, welches den künstlerischen Aspekt eines Gebrauchsgegenstands in den Vordergrund stellt. Gewöhnlich werden Gebrauchsgegenstände vordergründig nach ihrem Zweck entwickelt (was ja auch durchaus Sinn ergibt) und nachrangig "dekoriert" um dann auch einem ästhetischen Anspruch zu genügen.
Ein Gegenprinzip hierzu wäre das, was man als Nonsens, Tinnef oder gegebenenfalls auch als Kitsch bezeichnen würde. Dinge die eine Gestaltung und keinen oder Kaum nutzen besitzen.
Doch ist einfache Funktionalität oder Gestaltung auch gleichzusetzen mit Kunst? Hat Kunst nicht auch eine darüber hinausgehende inhaltliche Komponente? Ist also eine Kombination aus Funktion, Gestaltung und einem inhaltlichen Sinn, einer Botschaft, einer zu vermittelnden Erfahrungswelt oder einem Gefühl? Bei dem, was ich hier als Funktionale Kunst bezeichne, handelt es sich um den Versuch die einzelnen Punkte in einen Einklang zu bringen, ohne die anderen zu bevorzugen. Die Skulptur soll für sich als Skulptur stehen können, sie soll einen Inhalt vermitteln und sie soll einen potentiellen praktischen Zweck erfüllen "können" ohne es vordergründig zu "müssen".

Homunculus

Ursprünglich entstanden ist der Gedanke eher durch Zufall, aus einem Projekt, dass ich als Homunculus bezeichne. Es handelt sich um einen Stuhl, den ich entsprechend meiner Körpermaße gebaut und skulptural bearbeitet habe. Zum Start des Projekts ging es mir lediglich um den technischen Aspekt und die Neugier, was dabei herauskommt. Es ging also weder um eine besondere Gestaltung, noch um eine gute Funktionalität und auch nicht um eine ernsthafte Skulptur. Ich habe einfach meine Maße abgenommen und angefangen zu bauen. Es handelte sich schlicht und einfach um eine Studie.

Skurril wurde es im voranschreitenden Projekt. Genauer gesagt im Moment des ersten Probesitzens, als ich realisierte, dass ich auf meinem "eigenen" Schoß sitze. Im fertigen Objekt schwingt sowohl für den oder die Betrachter, als auch für die Interagierende Person, eine Grundlegende sexuelle Komponente mit, sobald sich jemand darauf setzt. Der Stuhl tritt also in einen Dialog mit der Person, die ihn verwendet.

Der abgebildete "Homunculus" ist hier recht robotisch und unorganisch. Ich sehe ihn eher als Prototypen an, der einer Überarbeitung bedarf. Nichtsdestortrotz hat er Wirkung und ich möchte das Prinzip in weiteren Objekten intensivieren.